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Lateinschularbeit im Vatikan

Unter dem medialen Blitzgewitter von rund 50 italienischen, deutschen, vatikanischen und natürlich auch österreichischen Medien schlug am 20. Dezember um 11.00 die Stunde „Null“ für 19 übernervöse Schülerinnen aus den Klassen 6 – 8:

Drei Monate Vorbereitungszeit lag hinter ihnen, als mit 20- minütiger Verspätung Professor Peter mit der Glocke und den Worten „Examen publicum Vaticanum incipit“ (die öffentliche vatikanische Lateinschularbeit beginnt) den Startschuss einläutete. „Adiutorium nostrum in nomine Domini“ (unsere Hilfe ist im Namen des Herrn) und die im Chorus vorgetragene Antwort eines kurzen Gebetes „Qui fecit coelum et terram“ (der Himmel und Erde erschaffen hat) geleitete dann die Schülerinnen in die Übersetzung zweier lateinischer Bibelstellen, welche die Geburt Jesu schildern. Dazu übersetzten sie Teile aus der in Latein und anderen Sprachen gehaltenen Mitternachtsmette (Pontifikalamt), das Papst Benedikt letztes Jahr in der St.Peter-Basilika gehalten hatte. Ergänzt wurde die Schularbeit noch durch eine Passage aus den Weihnachts-Sermones (Predigten) des Heiligen Augustinus.

 

Stress pur

 

Wegen der großen Verspätung – einige vatikanische Würdenträger  waren noch nicht am Prüfungspodium erschienen – mussten die Schülerinnen einen Textumfang von rund 180 Wörtern (Maturalänge!) inklusive Interpretationsfragen  statt in 50 in nur 30 Minuten absolvieren, weil ja die Joker, die sie dann anzurufen hatten, zum ausgemachten Zeitpunkt auf den Anruf warteten, um ihrerseits die Schüler aus einer Liste von rund 700 (zusätzlich zum Buch „Medias in res“) Vokabeln zu prüfen. Dazu fragten die Joker (aus Österreich, Liechtenstein, Vatikan, Deutschland, Italien, Polen und den Niederlanden) die Schüler noch Bibelzitate auf Deutsch, welche die Schülerinnen in Latein samt Angabe der Textstelle widergeben mussten. „Laudetur Iesus Christus“ (Gelobt sei Jesus Christus), begrüßte Anna Helbok vor aller Augen, bedrängt von Fernsehkameras und verstärkt von Lautsprechern, den hochrangigen vatikanischen Kurienkardinal Giovanni Lajolo am Telefon und lässt sich zunächst willig in Englisch, dann in Deutsch prüfen. Céline Hubacher hatte es mit der ranghöchsten Frau in einer vatikanischen Kommission, Dottoressa Flamina Giovanelli zu tun, und hatte das Gespräch in Italienisch zu führen, während Monika Zimmermann mit dem  polnischen Sekretär im Vatikanischen Administration, Monsignore Turek, auf Französisch parlierte. Wissenschaftsminister Dr. Karl Heinz Töchterle, selbst Universitätsprofessor für Latein, stellte Mirjam Stranzl auf die Probe und der Dompfarrer zu St. Stephan in Wien, Toni Faver, brachte Hannah Stadler mit der Frage nach einer „Homilia“ (Predigt) für kurze Zeit in Bedrängnis. Auch alle anderen lösten ihre Aufgaben mit Bravour.

 

Gute Zensuren

 

Mirjam Stranzl, Anna Helbok, Flora Galehr und Janine Winisch erhielten mit „Summa cum laude“ die höchst möglichste Punkteanzahl (143 von 143 Punkten). Dazu gab es noch zweimal „cum laude“. Im Anschluss an das Examen wurde dann die gesamte Gruppe zu einer Privatführung in die Sixtinische Kapelle und einigen anderen Glanzlichtern (Laokoon-Gruppe) eingeladen.

Video

 


 

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