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Festrede

Sacré Coeur Riedenburg gestern – heute – morgen

Mit dem Blick auf die Gründungszeit des Sacré Coeur Riedenburg kann man aus heutiger Sicht die Fragen stellen: Inwiefern war die Gründung eine bewusste Antwort auf wichtige Fragen und Probleme der Zeit? Oder war diese vielleicht nur eine „Notlösung“ auf Grund der damaligen gesellschaftlichen und politischen Bedingungen? Wir wissen, dass Magdalena Sophia Barat im Jahr 1800 in Paris mit vier jungen Frauen den Grundstein für unsere Ordensgemeinschaft gelegt hat. In der Folge wurde ihr lange Zeit verwehrt, sowohl im nördlichen als im südlichen Teil Deutschlands eine Niederlassung zu gründen. Sie sah sich also gezwungen, eine Idee, zu der sie nach langem Ringen im Gebet ja gesagt hatte, aufzugeben und in der Nachbarschaft an der holländischen Grenze in Blumenthal und im österreichischen Bodenseeraum in Bregenz eine Gründung vorzunehmen, damit die Schulen auch für Mädchen aus Deutschland besucht werden konnten.

 

Im Jahre 1861, sieben Jahre nach der Gründung der Riedenburg, konnten unsere Schwestern dann auch erstmals in Deutschland Fuß fassen.

 

Zur gleichen Zeit war die Riedenburg mit dem ursprünglich erworbenen Schlösschen auf Grund des großen Andrangs aber schon längst zu klein für das Leben und den Auftrag der Herz Jesu Schwestern im Bodenseeraum.

 

Es begann eine rege Bautätigkeit. Es musste Raum geschaffen werden für die Pensionatsschülerinnen und eine angeschlossene Schule  für die Armen. Bald entstand auch der heute noch weithin sichtbare Bau der ersten neugotischen Kirche im Land.

 

Die letzte große bauliche Veränderung in den Jahren 1964 und 1965 ging Hand in Hand mit der Gründung des Gymnasiums durch Hofrat Sr. Dr. Edith Jarmai. Hofrat Sr. Dr. Edith Fekete ergänzte in ihrer Zeit als Direktorin der Schule in den Jahren 1992/93 den fehlenden Turnsaalbau, der wie alle früheren Baumaßnahmen jeweils nur über die Mitfinanzierung des Bundesministeriums und des Landes Vorarlberg möglich wurde.

 

Die rückläufige Zahl der Internatsschülerinnen ab den 60er Jahren wurde durch die starke Zunahme von externen und halbinternen Schülerinnen mehr als kompensiert. Die Zahl der Schülerinnen und Schüler nahm ab den Jahren 1965 stark zu, im Schuljahr 2003/04 ist sie auf insgesamt  530 angestiegen.

 

In der gleichen Zeit, in der unser Bildungsangebot von immer mehr jungen Menschen genützt wurde, ist die Zahl der Schwestern Jahr für Jahr zurückgegangen und heute auf eine kleine Gemeinschaft beschränkt. Es gibt wohl viele Gründe für diese für den Orden schmerzliche Veränderung. Es gab lange Zeit ein verzerrtes Erwartungsbild über Orden und Ordensfrauen, die aus Flucht vor der Welt das Leben im Kloster gewählt hatten und von der Außenwelt abgeschirmt waren. Diese Vorurteile wurden nicht zuletzt genährt durch eine strenge Klausur, die nur in Ausnahmesituationen von  Nicht-Ordensleuten betreten werden durfte.

 

Erst nach dem II. Vatikanischen Konzil hat unsere Ordensgemeinschaft, dem Leitsatz „Zurück zu den Quellen“ folgend, die Konstitutionen der Gemeinschaft neu geschrieben und der Zeit entsprechend das Charisma und die Spiritualität der Herz Jesu Verehrung neu formuliert, um dem Ursprungsgedanken der Ordensgründerin wieder näher zu kommen. Äußere Formen wurden den Erfordernissen der Zeit angepasst. Die Liebe zu Gott und zu den Menschen, vor allem zu den jungen Menschen, ist gleich geblieben.

 

Diese Liebe zu den jungen Menschen gab auch im letzten Jahrzehnt die Orientierung für den Auftrag zur Weiterführung der Schulen. Für die aus Altersgründen in den Ruhestand getretenen Ordensfrauen wurden Jahr für Jahr engagierte Lehrerinnen und Lehrer angestellt, die die Tradition der Sacré Coeur Schule als katholische Privatschule weiterführten. Die Schwestern mussten sich im Jahr 2003 ganz aus der Bildungs- und Erziehungsarbeit zurückziehen.

 

In dem Leitbild, das im vergangenen Schuljahr gemeinsam erstellt wurde und zu dem sich alle Beteiligten verpflichtet wissen, wird dieser Geist der Sacré Coeur Schulen zum Ausdruck gebracht:

  • Die Sacré Coeur Schulen AHS und HLW Riedenburg fördern die Fähigkeit junger Menschen zur verantwortungsvollen Gestaltung der Welt aus dem christlichen Glauben.
  • Wir fördern und fordern ganzheitliches Denken und kritisches Bewusstsein.
  • Selbstverantwortung und Verantwortung anderen und der Umwelt gegenüber sind uns wichtig.
  • Wir fordern Leistung und fördern Leistungsbereitschaft durch Engagement und Herzlichkeit
  • Als Mädchenschule fördern wir ein selbstbestimmtes Frauenbild.
  • In Projekten fördern wir Offenheit, Teamfähigkeit sowie christliches Denken und Handeln.
  • Die Schulpartner nehmen ihre Aufgabe und Pflichten aktiv wahr und begegnen einander mit Wertschätzung.

 

Der Mangel an Ordensnachwuchs lehrte die Schwestern im vergangenen Jahr erneut zu handeln und den Schritt zur Gründung eines Schulvereins Sacré Coeur zu setzen, der mit Beginn des Schuljahres 2003/04 den Orden als bisherigen Schulerhalter für die Volksschule, das Gymnasium, die Höhere Lehranstalt für wirtschaftliche Berufe, des Tagesheimes und Internats abgelöst hat. Wir möchten auch diese Lösung nicht als „Notlösung“ verstanden wissen, sondern als unser Bemühen um den Erhalt der Riedenburger Schulen in der Bildungslandschaft in Vorarlberg vor dem Hintergrund einer veränderten Zeit.

 

Im Namen aller Schwestern danke ich für die Unterstützung und Hilfe, die Wertschätzung und das große Vertrauen, das uns Schwestern und dem Sacré Coeur Riedenburg in den letzten 150 Jahren in Vorarlberg entgegengebracht wurde.

 

Sr. Laura Moosbrugger rscj

Provinzoberin
 

 

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