Bilingualer Unterricht
Im Zuge der Diskussion um eine Schwerpunktsetzung im Gymnasium hat sich der Lehrkörper mit großer Mehrheit für eine besondere Förderung der Schülerinnen in der englischen Sprache ausgesprochen. Da zu den heutigen Anforderungen der Wirtschaft auch ausgezeichnete Fremdsprachenkenntnisse gehören, hat die Riedenburg auf diese Anforderungen reagiert und den Schwerpunkt Englisch als Arbeitsprache eingeführt. Mehrere Kolleginnen haben sich sofort bereit erklärt, den bilingualen Unterricht im Schuljahr 2003/04 in einigen Klassen zu erproben. Seit diesem erfolgreichen Jahr konnte das Projekt erweitert werden und so werden nun in allen Klassen die verschiedensten Fächer auch auf Englisch unterrichtet. Ziel ist es, den Schülerinnen einen Wettbewerbsvorteil für ihre weitere Ausbildung und für ihren späteren Beruf mitzugeben.
Dieser regelmäßige, fachbezogene Gebrauch der englischen Sprache erweitert den Wortschatz der Schülerinnen enorm und sie können ihre Englischkompetenz auf natürliche und ungezwungene Art und Weise üben und festigen. Weiters wird die Kreativität, so wie die Freude an der Fremdsprache gefördert. Dadurch können auch Sprechhemmschwellen abgebaut werden.
Aufgrund der Schulautonomie kann jede Schule selbst entscheiden, ob und in welchem Ausmaß sie Bilingualität anbieten will. Völlig neu ist der Einsatz der englischen Sprache in anderen Unterrichtsgegenständen nicht, denn es wurde bereits teilweise in Geographie, Biologie und in der Höheren Lehranstalt in Betriebs- und Volkswirtschaft bilingualer Unterricht erprobt. Das Neue an dieser Offensive ist die Bereitschaft des Großteils des Lehrkörpers, an diesem Projekt mitzuarbeiten. Die Lehrer nehmen auch mit großem Engagement an diversen Fortbildungen teil, um ihr Fachvokabular, so wie Englischkenntnisse zu erweitern. Mit Hilfe unserer Förderer stehen Sprachassistenten den Lehrern bei ihrer englischen Vorbereitung, sowie auch im Unterricht hilfreich zur Seite. Weiters wird durch die großzügige Unterstützung der Förderer die Bibliothek stets erweitert und mit Fachliteratur aufgerüstet.
Der leichte Umgang mit der Fremdsprache ist - trotz Fremdsprachenunterrichts - nicht selbstverständlich. Nicht bloß das Lernen, sondern vielmehr das Verstehen und letzten Endes das perfekte Beherrschen einer Fremdsprache stehen daher im Mittelpunkt mehrsprachigen Unterrichts. Permanent statt bloß punktuell mit einer Sprache „umgehen" zu lernen, erhöht nicht nur die Sprachkompetenz selbst, sondern führt auch zu besserem Verständnis der Materie und damit zu größerem Lernerfolg. Nach Meinung des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur führt bilingualer Unterricht insgesamt zu einer Anhebung der schulischen Leistung der Schülerinnen (Die Presse, 29.4.03).
Da Englisch als Arbeitsprache nicht zu einer zusätzlichen Belastung oder Schwierigkeit werden soll, werden anfangs kurze Einheiten den Einstieg erleichtern, die dann später zu ganzen Kapiteln ausgeweitet werden. Die Mädchen der 1. Klassen können an einem unterstützenden Kurs „English is Fun“ teilnehmen, der sie auf den bilingualen Unterricht vorbereitet. Hier werden Hörverständnis, so wie eigener Ausdruck geschult. In den 3. Klassen unterstreicht das Projekt „Englisch in Action“ unseren Schwerpunkt. Den Schülerinnen wird eine englische Sprachwoche mit „native speakern“ angeboten. Aufgrund der der Unterstützung unserer Förderer kann diese Sprachwoche allen Schülerinnen ermöglicht werden.
Für den Aufbau einer bilingualen Schule sind eine langfristige Entwicklungsarbeit und Erfahrung notwendig und der Lehrkörper setzt sich intensiv damit auseinander. Dass sich dieser Einsatz aber sicher lohnt, zeigen die Erfahrungen, die bisher gemacht wurden.In Österreich gibt es zweisprachigen Unterricht seit etwa 20 Jahren und Schulen mit bilingualem Bildungsangebot boomen, sodass sie einen großen Teil der Bewerber abweisen müssen (Gewinn 1/03). In „Linz International School Auhof (LISA)" wird seit nunmehr 11 Jahren bilingual unterrichtet und die Erfahrungen sind äußerst positiv. Diese Schule bietet vor der Matura das Internationale Baccalaureat an (eine Art „internationale Matura in englischer Sprache"), das von allen Schülerinnen, die dort maturieren, problemlos abgelegt wird. Die Atmosphäre in der Schule ist ungezwungen und freundlich und die Schülerinnen folgen völlig problemlos dem Unterricht, z.B. inGeschichte in englischer Sprache, und antworten auf Fragen inunglaublich flüssigem Englisch.
Das Geheimnis dieses Erfolges liegt in der Tatsache, dass in allen Gegenständen zweisprachig unterrichtet wird und durch das Zusammenwirken aller Fächer wird die Sprachkompetenz der Schülerinnen umfassend geschult. Grundsätzlich haben bilinguale Schulen keine besonderen Aufnahmekriterien, außer dass die Schülerinnen ein besonderes Interesse für Sprachen und Menschen aus anderen Kulturen mitbringen sollen, da sie großen Wert auf das Eingehen auf unterschiedliche kulturelle Gegebenheiten und die Förderung von Toleranz und Verständnis legen. Damit steht diese Schwerpunktsetzung auch völlig im Einklang mit unserem Leitbild.
Prof. Mag. Angelika Schwarz


